Haiti allgemein

Haiti (frz.: Haïti; Haitianisches kreol.: Ayiti) ist ein den Großen Antillen zugehöriger Inselstaat. Er umfasst den westlichen Teil der Karibikinsel Hispaniola, deren Ostteil die Dominikanische Republik einnimmt.

Der Landesname kommt aus der Sprache der Taínos, der Ureinwohner Hispaniolas, und bedeutet „bergiges Land“. Die heutigen etwa 8,5 Mio. Einwohner Haitis sind größtenteils afrikanischer Abstammung. Hauptstadt des Landes ist Port-au-Prince.

Haiti ist das einzige Land des Amerikanischen Doppelkontinents, das zu den am wenigsten entwickelten Ländern gezählt wird. Zur schwachen Wirtschaft kommt eine instabile politischen Lage mit zahlreichen Unruhen, weshalb im letzten Jahrzehnt über drei Millionen Haitianer ausgewandert sind.

Haiti liegt im Bereich tropischer Wirbelstürme. Zuletzt richtete der Hurrikan Jeanne im September 2004 erhebliche Schäden in der Gegend um die Stadt Gonaïves an. Es gab ca. 3.000 Todesopfer. Im September 2008 starben hunderte Menschen durch den Tropensturm „Hanna”, der zudem tausende Menschen tiefer ins Elend stürzte. Wenige Tage später starben mindestens 47 Menschen durch den Wirbelsturm „Ike”.

In Haiti wird nur ein sehr kleiner Teil der Geburten und Todesfälle amtlich registriert. Daher beruhen alle Zahlen auf Schätzungen und Projektionen. Die unten stehenden Zahlen sind deshalb in höchstem Maße unsicher.

Die Lebenserwartung beträgt im Schnitt 50 Jahre (2006). Die Säuglingssterblichkeit lag im Jahre 1997 bei 9,2 %, die Kindersterblichkeit bei 13,2 %. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum betrug 1990–1997 1,9 %. 1995 waren 55 % der Bevölkerung Analphabeten.

Die haitianische Bevölkerung teilt sich in 95 % Schwarze, 4,9 % Mulatten und 0,1 % Weiße auf. Andere Zahlen geben 60–80 % Schwarze, 15–35 % Mulatten und 5–10 % Weiße an.

33 % der Haitianer leben in Städten. Die größten Städte sind (Berechnung für 2008): Port-au-Prince 1.368.075 Einwohner, Carrefour 503.954 Einwohner, Delmas 445.236 Einwohner, Cap-Haïtien 145.709 Einwohner und Pétionville 122.677 Einwohner. Das Ballungszentrum Port-au-Prince wird mit 2.411.407 Menschen im Jahr 2008 geschätzt.

Geschichte Haitis
In den Jahrzehnten nach der Entdeckung der Insel Hispaniola durch Christoph Kolumbus im Jahr 1492 wurde die indigene Urbevölkerung dieser Insel, die Arawaks (auch Taínos genannt), fast vollständig ausgerottet. Im späten 17. Jahrhundert schließlich wurde die Insel durch afrikanische Sklaven wiederbevölkert, die auf den Zuckerplantagen eingesetzt wurden.

1697 trat Spanien das westliche Drittel der Insel, welches von da an Saint-Domingue genannt wurde, an Frankreich ab. Dieses Gebiet wurde im 18. Jahrhundert zur reichsten Kolonie des französischen Kolonialreichs. Am 22. August 1791 kam es unter der Führung von Dutty Boukman und Georges Biassou zu einem Sklavenaufstand, der sich zu einem blutigen Krieg jeder gegen jeden entwickelte: Schwarze kämpften gegen Weiße, kreolische Pflanzer gegen königstreue Franzosen, republikanische französische Truppen gegen Engländer und Spanier, die intervenierten. Die Ex-Sklaven („Afrikaner”) setzten sich am Ende durch. Selbst eine von Napoleon nach Saint-Domingue gesandte Armee wurde unter Haitis Nationalheld Toussaint L’Ouverture geschlagen. Saint-Domingue erklärte am 1. Januar 1804 unter dem Namen Haiti seine Unabhängigkeit von Frankreich, sein Führer Dessalines erklärte sich nach dem Vorbild Napoleons zum Kaiser und regierte als solcher bis zu seinem gewaltsamen Tod 1806.

Haiti, die erste unabhängige Republik von Schwarzen und Mulatten, engagierte sich in der Abschaffung der Sklaverei und unterstützte auch Venezuela, Peru und Kolumbien bei ihrem Unabhängigkeitskampf unter Revolutionsführern wie Bolívar und Miranda. Haiti schaffte unter Präsident Boyer – der das seit 1806 in einen mulattischen Süden und schwarzen Norden geteilte Haiti 1820 wiedervereinte – nach der Besatzung des zu Spanien gehörenden östlichen Teils der Insel (der späteren Dominikanischen Republik) 1822 auch dort die Sklaverei ab. Frankreich verlangte als Gegenleistung für die Anerkennung der Unabhängigkeit Haitis im Jahr 1825 Entschädigungen für ehemalige Plantagenbesitzer.

Haiti zahlte jahrzehntelang an Frankreich, insgesamt 90 Millionen Francs d’Or (was nach Schätzungen in heutiger Währung 17 Milliarden Euro entsprechen soll). Bald nach der Unabhängigkeit wurden die Großplantagen unter der Bevölkerung aufgeteilt, wodurch der Export von Agrargütern zusammenbrach. Mehrere Versuche, die Produktivität der Landwirtschaft zu heben (beginnend mit dem Code Rural von 1826), sind an der aus kleinen und kleinsten Parzellen bestehenden Agrarstruktur gescheitert. Seitdem ist Haiti zum ärmsten Land der westlichen Hemisphäre geworden.

Haiti hatte während des größten Teils seiner Geschichte unter Gewaltherrschern und Kleptokraten zu leiden. Von 1915 bis 1934 war das Land von den USA besetzt. Doch wurden die US-Truppen in den folgenden Jahren im Rahmen der Good Neighbour Policy abgezogen. Es wurden Anstrengungen unternommen, die Infrastruktur – speziell das Bildungssystem – zu verbessern, aber diese Reformen, die die Bräuche und Traditionen Haitis nicht berücksichtigten, waren weder gern gesehen noch erfolgreich. Ab 1957 gelang es dem ehemaligen Landarzt Francois „Papa Doc“ Duvalier, die Macht an sich zu reißen. Er setzte sich 1964 zum Diktator ein und wurde durch die sogenannten Tontons Macoutes bekannt, einer Freiwilligentruppe, die Elemente einer Geheimpolizei und einer Schlägertruppe auf sich vereinte. Sein Sohn Jean-Claude „Baby Doc“ Duvalier folgte ihm 1971 im Alter von 19 Jahren in der Regierung. „Baby Doc“ wurde 1986 aus dem Land vertrieben.

Nach der Verfassungsreform von 1987 putschte das Militär und regierte bis zu den Wahlen 1990, bei denen Jean-Bertrand Aristide, an den sich viele Hoffnungen knüpften, mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde. Aber schon 1991 wurde Aristide von dem Brigadegeneral Raoul Cédras wieder aus dem Amt geputscht. 1994 konnte Aristide im Gefolge einer US-amerikanischen Intervention (Operation Uphold Democracy) in sein Amt zurückkehren, aber unter der Bedingung, dass er die Politik seines von Washington favorisierten Vorgängers übernehme, der in den Wahlen von 1990 nur 14 Prozent der Stimmen erhalten hatte. (Davor unterminierten die USA das von der OAS nach dem Militärputsch gegen Haiti beschlossene Embargo, und unterstützten so insgeheim die mordende und folternde Militärjunta.). 1996 übergab Aristide nach Ablauf seiner Amtszeit das Amt an seinen engen Weggefährten René Préval. Das UNO-Mandat, unter welchem Haiti seit 1995 stand, lief 1997 wieder aus.

2000 fanden umstrittene Parlamentswahlen statt, welche die Partei Aristides gewann. Als Aristide mit über 90 Prozent der Stimmen auch die Präsidentenwahl gewann, wurden Vorwürfe laut, dass die Wahlen manipuliert gewesen seien. Aristide, der einstige Hoffnungsträger, der sein Amt 2001 antrat, verließ 2004 das Land. Während die Opposition und auch die USA sowie Frankreich die Position vertraten, Aristide sei freiwillig ins Exil gegangen, spricht dieser von einem Putsch und betrachtet sich nach wie vor als legitimen Präsidenten des Landes.

Haiti gilt nach einer Einschätzung der „Süddeutschen Zeitung“ aus dem Jahr 2005 mittlerweile neben Kongo, Somalia und Tschad als zerfallener Staat. Es wurde bis Februar 2006 von einer Übergangsregierung unter Boniface Alexandre als Präsidenten und Gérard Latortue als Premierminister verwaltet, als die mehrfach verschobene Präsidentenwahl abgehalten wurde. Diese war höchst umstritten und brachte mit einem Wahlergebnis von 51,15 % der Stimmen Préval als Sieger hervor. Seit dem 14. Februar 2006 ist dieser wieder Präsident Haïtis. International gilt er als Realpolitiker und wird als Hoffnung für Haiti gesehen.

In der Hauptstadt Port-au-Prince herrscht der Ausnahmezustand. Entführungen, Schießereien, Raubüberfälle und Drogenhandel sind an der Tagesordnung. Die UNO hat in Haiti rund 10.000 Blauhelme stationiert; Anfang 2006 beging der kommandierende General der UN-Truppen Urano Teixeira da Matta Bacellar vermutlich Suizid.

Im Mai 2006 nominierte Präsident René Préval den Politiker Jacques-Édouard Alexis als Premierminister. Dessen Kabinett nahm Anfang Juni seinen Dienst auf.

Die hohe Inflation und die weltweit stark angestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis oder Mais führten im Frühjahr 2008 zu Protesten der Bevölkerung, die in schweren Unruhen mit mehreren Todesopfern gipfelten.[5] Obwohl Präsident Préval eine Bekämpfung der gestiegenen Lebensmittelpreise angekündigt hatte, beruhigte sich die Lage nicht. Am 12. April 2008 beschloss der Senat die Entlassung von Premiermister Alexis. 

Wirtschaft:
In der Kolonialzeit galt Haiti als eines der reichsten Länder der Karibik. Um die Anerkennung der Unabhängigkeit durch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich zu erreichen, musste sich jedoch Haiti durch hohe Zahlungsverpflichtungen „freikaufen“. Diese Zahlungen, die fast das ganze 19. Jahrhundert hindurch andauerten, überstiegen die Leistungskraft Haitis bei weitem. Zusammen mit politischer Instabilität und langjähriger Misswirtschaft führte dies dazu, dass sich Haiti zum Armenhaus Amerikas entwickelte.

Seit dem Sturz von Jean-Bertrand Aristide ist die Wirtschaft des Landes in einer schweren Krise. Doch erste Anzeichen der Normalisierung zeigten sich am 4. März 2004, denn in Port-au-Prince öffneten erstmals wieder die Banken. Der Industrieverband Haitis schätzt die entstandenen Schäden der Unruhen auf mehr als 100 Millionen Euro. Die deutsche Post hat die Zusage gegeben, Haiti beim Aufbau eines modernen Postleitzahlensystems zu unterstützen. Ein großes Problem des Staates ist der hohe Grad an Korruption. Er belegt einen der untersten Plätze in der Statistik der Transparency International.

Quelle: http://de.wikipedia.de

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